Hudichräpfli: Rezept zügelt nach über 60 Jahren nach Arth Bild: Franz Fassbind (links) übergibt das Oberarther Hudichräpfli-Rezept an Zeno Felchlin
Über 60 Jahre lang hat der Oberarther Bäckermeister Franz Fassbind das berühmte Oberarther Hudichräpfli hergestellt. Nun ist Schluss: Er gibt das Rezept an Zeno Felchlin, Arth, weiter.
Es gehört zur Oberarther Fasnacht wie der Böög, die Chlapfgassfaeger, die Kinderbescherung oder das Hudipaar. Das traditionelle Gebäck, das alle Oberarther von jung bis alt nicht nur kennen, sondern fürs Leben gerne essen. "Unser Hudichräpfli ist das beste", ist die Oberarther Hudimutter Irène Birchler-Moser überzeugt. Sie kann sich freuen: Die Oberarther Tradition ist gesichert und kann auch in Zukunft den Fasnächtlern angeboten werden. 630'000 Hudichräpfli Nachdem der Oberarther Bäckermeister Franz Fassbind schon seit einigen Jahren in Pension ist, für die Produktion des Hudichräpflis Jahr für Jahr aber immer noch selber in die Backstube stieg, gibt er nun das Rezept in jüngere Hände. "Ich freue mich, dass ich mit Zeno Felchlin vom Chillestägli in Arth einen tüchtigen Berufskollegen gefunden habe, der die Oberarther Tradition weiterführt", erklärte Franz Fassbind, als er das Rezept dieser Tage übergab. Franz Fassbind hat während 63 Jahren das Gebäck selber - in Handarbeit! - hergestellt. Es handle sich um ein spezielles Rezept, das neben Zucker, Eier, Milch und Mehl auch etwas Vanille aufführt und damit für den speziellen "Oberarther Hudichräpfli-Geschmack" sorgt. Fassbind hat Jahr für Jahr rund 10'000 Hudichräpfli von Hand ausgestochen. Das heisst, alleine aus seiner Hand enstanden rund 630'000 Hudichräpfli. "Wichtig ist, dass man den Teig in der Nacht zuvor aufarbeitet. So erhalten die Chräpfli ihre hohe Form und bleiben nicht einfach nur breit", verrät der ehemalige Oberarther Bäcker. Nun "zügelt" also sein altes Fasnachtsrezept von Oberarth nach Arth. Das Rezept ist aber sogar noch deutlich älter. Franz Fassbind hat es vor 63 Jahren von seinem Vater erhalten, der es seinerseits, so Fassbind, "wohl von Schwyz" mitgenommen habe. Das Rezept sei, so zeigt sich Bäckermeister Fassbind überzeugt, "über 100 Jahre alt." "Freude herrscht" nicht nur in Oberarth, sondern auch im "Chilästägli" in Arth. "Wir freuen uns, dass wir diese Tradition weiterführen dürfen und damit den Oberarthern einen Gefallen machen können", sagt Zeno Felchlin. "Wir hoffen, dass unsere Chräpfli ebenso gut ankommen werden, wie jene von Franz Fassbind. Die "Feuertaufe" Zeno Felchlin bereits am kommenden Wochenende erleben, wenn die Oberarther Fasnachtsgesellschaft am Sonntag am Fasnachtsumzug in Arth die Chräpfli verteilen wird. Dass die "Oberarther Hudichräpfli" auch aus Arth perfekt sein werden, denkt auch Hudivater Jürg Auf der Maur. Anlässlich der Rezeptübergabe dankte er nicht nur Franz Fassbind für seinen jahrelangen Einsatz sondern auch den Arther Bäckersleuten Felchlin, dass sie sich bereiterklärten, das "Lieblingsgebäck" der Oberarther weiterleben zu lassen. Seit über 100 Jahren Fasnacht in Oberarth "Das alte Backrezept zeigt, dass schon vor über 100 Jahren in Oberarth die Fasnacht gepflegt wurde", freute sich der Hudivater weiter. Die eigentliche Kinderbescherung gibt es in Oberarth seit 1931 und umfasste - das zeigen Vereinsprotokolle - "Wurst und Brot mit Kräpfli". 20 Jahre später wurden für die kleinsten Fasnächtler 800 Würste und 800 Bürli, 40 kg Kräpfli und 200 kg Orangen eingepackt. Heute, 60 Jahre späten, sind es immer noch 1200 Säckli, die am Schmutzigen Donnerstag frisch abgepackt und am Nachmittag unter den Fasnachtsnachwuchs verteilt werden. |