Geschichtliches PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Staub René   

1. Foto Fasnachtsgesellschaft Ober-Arth 1926

So fing alles an

Die Oberarther Fasnächtler, unter dem Dach der Oberarther Fasnachtsgesellschaft (OFG) dürfen auf eine über 80jährige Vereinsgeschichte zurückschauen.
Höhepunkte, bemerkenswerte Ereignisse und fasnächtliche Oberarther Eigenheiten sollen in folgenden Kapiteln dargelegt werden.


Von "Nüsslern" ... 


Das erste, älteste vorhandene Protokoll berichtet von einer Generalversammlung der Faschinggesellschaft Oberarth am 10. März 1926 im Restaurant Frohsinn in Oberarth. Johann Müller war der erste Präsident.
Gesamthaft waren schon 20 Mitglieder anwesend. Im gleichen Jahr wurde die Gesellschaft gegründet und die Fasnacht im Oberdörfli organisiert. Dann nahm das Treiben der Fastnachtsgesellschaft seinen Lauf. Viele Jahre wurde nichts Aussergewöhnliches organisiert.
Doch dazwischen tat man grosse Beschlüsse und führte allerhand Klamauk durch. 1934, 1935 und 1936 beispielsweise entlehnte man bei den Walchwilern den «Chestene Igel», welcher durch den Verkauf von Kastanien offenbar Geld in die Vereinskasse brachte. 
Sogar von Preisnüsslet und Tambouren war hie und da die Rede, obschon dieser Brauch in Oberarth gar nicht heimisch ist. Es wurden aber tatsächlich in den Jahren 1931, 1935, 1938, 1950 und 1955 «Röllenen» in Schwyz gemietet. Diese wurden - nach verschiedenen Nüsslerkursen durch den Schwyzer David Inderbitzin - mit Tambouren durch Oberarth begleitet.
Mit der Qualität konnten die Oberarther «Nüssler» ganz offensichtlich nicht mithalten. So wurde noch 1953 an der Generalversammlung verlangt, dass man eine bessere Ausbildung der «Nüssler» anstreben sollte.

hudiwagen anno domini 
signet ofg

... zu den Grossgrinde

Oberarth hatte eine ganz andere Spezialität zu bieten. Während Jahren waren die Oberarther Fasnächtler sehr bekannt für ihre grossen, überdimensionalen Narrenmasken, den «Grossgrinden». 
Merkwürdigerweise immer sieben Mann stark, traten sie schon bei der Kinderbescherung auf. Allerdings waren diese Grinden aus Pappmaché leicht verletzlich, sodass sie heute nur noch auf Fotos zu bewundern sind.
Das Logo der Fastnachtsgesellschaft Oberarth stammt vom Original-Grossgrind von Oberarth. Es zeigt den Oberarther Narren bei der Verteilung von Wurst und Brot und der früheren "Chräpfli". 

Grossgrind Hubli 1957Päckliwagen 1966 

Kinderbescherung, Umzüge, Klamauk

Was noch heute hunderte von Mütter, Väter und Kinder bereits am Nachmittag an den  Schmutzigen Donnerstag nach Oberarth zieht, hat seinen Beginn 1931.
An der Generalversammlung vom 18. Januar 1931 stellte Kenel Martin den Antrag, es sei eine Kinderbescherung durchzuführen, dem Vorstand diesen Auftrag zu erteilen und den nötigen Kredit von Franken 150 zu bewilligen. Dazu wurde der Mitgliederbeitrag von 1 Franken auf 2 Franken erhöht.
Die 150 Franken machten damals mehr als das halbe Vereinsvermögen aus. Die Kinderbescherung in Oberarth war damit geboren. Sie umfasste Wurst und Brot mit Chräpfli. Es wurden keine Orangen verteilt. Das sei ein ausländisches Produkt, hiess es damals.
Noch heute ist die Kinderbescherung in Oberarth die grösste in der Gemeinde: Die grossen Auslagen für die 1200 verteilten Hudipäckli deckte und deckt man durch Sammelaktionen in den drei Ortschaften.
Weiterer Klamauk wurde etwa veranstaltet, indem man anlässlich der Kinderbescherung jeweilen einen «Chäszännet » und ein Wurstgumpen für die Kinder organisiert hat. Die Hände der Kinder wurden dabei auf dem Rücken zusammengebunden.
Die an der Schnur befestigte Wurst musste mit dem Mund erhascht werden.

Päckliwagen einst  Erster SchmuDoUmzug1962.jpg

Umzüge

Gelegentlich aber, und dies besonders in den frühen Jahren, machte man aus dem Einzug des Hudivaters zur Kinderbescherung Umzüge, die im Oberdorf gestartet wurden und von der Bergstrasse her einzogen. 
1927 war es beispielsweise das Thema «Ein Teil vu da Züglätä vom altä Rathaus is nü Verwaltigs-Gebüü». Man machte sich auch einen Spass mit den Arrestanten und Polizei, mit der Erwerbssteuer, dem Tanzgesetz, Verhörrichtern und der Justiz.
Interessant festzustellen ist, dass damals unter der Direktion von Herrn Strauss auch die Musikgesellschaft Oberarth noch dabei war. Nach internen Fehden hatten sie sich von den Arthern abgespalten und ein recht grosses, gutes Korps gebildet. 
Bis zum heutigen Zeitpunkt wird am Schmutzigen Donnerstag-Nachmittag ein kleiner bunter Umzug durchgeführt.
Dabei stellen sich die verschiedenen Oberarther Vereine immer wieder in verdankenswerter Weise zur Verfügung und gestalten einen originellen Wagen oder nehmen als Laufgruppe am Umzug teil.

SchnuDo Einzug 1986hudiwagen

Vom Bockabend zum Tunnelfest

Trotz grossem Aufwand der verschiedenen Festaktivitäten reichte das Geld nicht, um die Unkosten der Fasnachtsauslagen zu decken. Es wird berichtet, dass ein Bockabend im Restaurant Ochsen einen Reingewinn von 20 Franken einbrachte. Sammelaktionen bei den Ladengeschäften und den Bewohnern von Oberarth sollten das Budget aufbessern helfen. 
Seit 1973 ersetzt das Tunnelfest die früheren Bockabende und ist heute die wichtigste Einnahmequelle für sämtliche fasnächtlichen Aktivitäten der OFG und vor allem der Chlapfgassfäger. Das erste Tunnelfest fand am 28. / 29. September 1973 im ehemaligen Arth-Rigi-Bahn-Tunnel (höchster Tunnel Europas) statt und bot 240 Sitzgelegenheiten.
Die erste Durchführung durfte als voller Erfolg bezeichnet werden und brachte stolze Fr. 1553.10 ein.  Stolz ist die OFG auch, dass neun der elf damaligen OK-Mitglieder immer noch dem Verein angehören und sich aktiv am Vereinsgeschehen beteiligen.
Der Erfinder des Tunnelfestes, Wädi Meienberg sen., war bis ins Jahre 2008 noch aktiver Chlapfgassfäger. Seit 1974 findet das Tunnelfest am Wochenende nach Pfingsten und seit 1979 auch am darauf folgenden Mittwoch vor Fronleichnam statt.
Das Tunnelfest ist damit das grösste und älteste Frühlingsfest in der Gemeinde.


Hudivater

Als erster Hudivater amtete im Jahre 1925 Johann Müller. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden anlässlich der Generalversammlung 25 verschiedene Hudiväter gewählt.
Bis ins Jahr 1970 wurde das Amt des Hudivaters gleichzeitig durch den Präsidenten wahrgenommen, meistens begleitet durch seine Frau als Hudimutter. Als erste offizielle Hudimutter «amtete» Waser Gritel zusammen mit Hudivater Felix Spiess im Jahre 1959.
Seit 1971 wird das Ehrenamt des Hudivaters in einer separaten Form bestimmt.

ehemalig Hudiväter

Hudiväter-Gallerie
o.v.l.: Speck Adolf (53-56), Annen Martin (68-69), Zemp Hans (65 Stv, 66-67), Waser Jakob (72-73), Moser Erwin (74-75)

u.v.l.: Keist Hans (71 erster Ehrenamtlicher), Nussbaumer Jakob (64-64), Hess Gottfried (65),Stadler Karl (31-32, 38-41), Hubli Sepp (57-58)


Güdeldienstag und der Böög

drei Generationen MeienbergSeit 1956 wird offiziell in Oberarth die Uslumpete durchgeführt. Das Böögverbrennen begann damals mit einer grossen Tradition. Herr Kümin bastelte den ersten Strohmann. Heute sind aktive Chlapfgassfäger dafür besorgt, dass jedes Jahr ein originelles geheimes Sujet angefertigt wird. Natürlich muss es beim Abbrennen des Böögs so richtig «chlepfen und tätschen ».
Bis ins Jahr 2000 wurde der Böög auf dem Ochsenplatz verbrannt. Die letzten Jahre erfolgte das Fasnachtsende auf dem Schöntalplatz mit anschliessendem Ausklang und musikalischer Unterhaltung in den verschiedenen Restaurants.


Gesellschafter
Ehemalige Chlapfgassfäger, die weiterhin aktiv für die Fastnachtsgesellschaft tätig sein wollten, gründeten diese Unterabteilung der Gesellschafter. Gründungsmitglied und erster Obmann war im Jahre 1992 Werner Wiget.
Nebst gemütlichem Beisammensein sind die Gesellschafter die grossen Stützen hinter den Kulissen. 
Sie sind im Verein nicht mehr wegzudenken und kommen nebst SchmuDo auch anlässlich der Jubiläen oder rund um das Tunnelfest immer wieder zum Einsatz.

böögverbrennung

 

Never change a winning party

Im Gegensatz zu den Vor- und Nachkriegsjahren, wo sich der Verein mit vielen Problemen konfrontiert sah und es deshalb immer wieder zu Neuerungen und Änderungen in der Vereinsstruktur und der Organisation der Fasnacht kam, waren die letzten 30 Jahre praktisch unverändert.
Nach wie vor beginnt der Schmutzige Donnerstag Punkt 05.00 Uhr mit dem Urknall und der anschliessenden Tagwache im Dorf. Danach folgt die Mehlsuppe in Goldau, das Aufspielen und Bescheren in den Altersheimen der Gemeinde. Am Nachmittag der Umzug, angeführt durch das Hudipaar in der Kutsche.
Die Kinderbescherung mit der anschliessenden Unterhaltung im Saal des Restaurants Engel durch einen Clown. Am Abend Fastnachtstreiben im ganzen Dorf. Natürlich musste das Angebot auch der heutigen Zeit angepasst werden. So gibt es am Abend ein Barzelt mit DJ für die heutige Jugend.


Von der Hudimusik zu den Chlapfgassfägern Major Hurter Willi

Zu Beginn der 60-er Jahren hat die Oberarther Fastnachtsgesellschaft eine wertvolle musikalische Erweiterung erfahren. 1958 begann mit den Proben im alten Schlachthaus neben dem Restaurant Engel eine «Hudimusik», ca. zehn bis 15 Mann, jeweils mit der musikalischen Tagwache, angeführt durch Hurter Willi als Tambourmajor.
Anfangs war es eine lockere Hudimusik, die sich bis heute zu den festgefügten Chlapfgassfägern entwickelte.
1966 bestand die Guuggenmusig eigentlich die Bewährungsprobe, darauf wurden Instrumente angekauft, Kostüme geschneidert, Stücke eingeprobt. Der Name Chlapfgassfäger wird erstmals in einem Protokoll vom 29. Januar 1966 schriftlich  erwähnt.  Auszug: "Der Name (Chlapfgassfäger) ist 1968 im Restaurant Ochsen geboren. Dabei waren Wädi Meienberg, Robert Mettler, Peter Fässler und weitere. Als Chlapfgass wurde die Bergstrasse Bifang bis Waser's bezeichnet." Dieser gerader Strassenabschnitt an der Bergstrasse entpuppte sich des öfteren für Spätheimkehrer zu einer kurvenreichen Herausforderung.
Unter der Leitung von Robert Mettler wurden die Chlapfgassfäger Ende der 60er-Jahre sehr bekannt. Seit 1976 feiern die Fäger und die Fastnachtsgesellschaft alle fünf Jahre ihre Jubiläen.
Grosse Erfolge wurden mit der Musik 1979 erzielt, als man bei den Schweizermeisterschaften im Tivoli/ Spreitenbach den beachtlichen dritten Schlussrang erreichte.  Doch auch 2003 in Verona, wo die Fäger nach der Jahrtausendwende das europäische Guggenmusiktreffen gewannen, wurden in jüngster Zeit Lorbeeren geholt.

         Logo Chlapfgassfäger            Euro Carnevale 03

Aktualisiert ( Dienstag, 12. Mai 2009 um 08:22 )